Berlin kann jeder, Kleve muss man wollen – Der Podcast – Folge 02 – Part 1 Steffen Roth

Wir haben die zweite Folge unseres Podcasts fertig. Diesmal zu Gast: Steffen Roth, 28, Schlagzeuger. In Kleve aufgewachsen, fand er sehr früh zu seiner Passion. In Dresden studierte er Musik und lebt und arbeitet nun in Leipzig. Hin und wieder verschlägt es ihn an den Niederrhein. Wir sprachen mit ihm über seine Arbeit, Improvisierte Musik als politische Kraft und Kunst und Kultur in der Provinz. Viel Spaß!

Berlin kann jeder, Kleve muss man wollen – Der Podcast – Folge 01 – Part 1 OKNO

Hier unsere erste Podcast Folge. Zu Gast bei Zanta und Severin, Marie Richter und Visual-Artist OKNO aka Oliver Kretschmann. Wir sprachen über Oli und sein Werk, über Szene und Subkultur und zum Schluss über den Leeren Raum.

Es werden weitere Gespräche mit Kunst- und Kulturschaffenden aus Kleve und drumherum folgen!

Hier, wie im Podcast versprochen, die Links:

https://www.facebook.com/okno.kultur/
https://www.facebook.com/OrdnungSitteSauberkeit/
https://www.facebook.com/dESTRUKTIVA-226966860827680/
https://www.facebook.com/harshpersiluhu/
https://www.facebook.com/HystericalTurkey/
https://www.facebook.com/events/172174063340644/ (shiny toys festival)
https://www.facebook.com/events/661328510721637/?ref=br_rs (n0153 tresen)
http://www.tinatonagel.de/rayvibration.html

Diversität – Stärke oder Schwäche? Eine Neuausrichtung.

Es war lange Zeit nun ruhig um das Kollektiv der leere raum. Hi und da ein Kommentar, aber offiziell befanden wir uns im Winterschlaf (wenn man jetzt von der 120Minutenparty, Noise-Gathering und dem Flüchtlingsprojekt absieht). Das hatte gute Gründe.

Das Kollektiv war ins Stocken geraten, da sich die Ursprungspläne nicht umsetzen ließen. Zumindest nicht in dem von uns gesetzten Zeitrahmen. Wir hatten vor, innerhalb eines Jahres ein Soziokulturelles Zentrum zu errichten. Aus diesem Grund hatte sich der Verein gegründet. Ausgehend vom Theater im Fluss, in dem die Gründungsmitglieder tätig sind, versammelten wir Kunst- und Kulturinteressierte und solche die ein Interesse daran hatten, Kleve um eine Facette im Nachtleben zu bereichern. Früh zeigte sich allerdings auch, dass es schon in der Gründungsversammlung sehr unterschiedliche Ansichten darüber gab, was der Verein nach außen darstellen sollte, wie die Ziele in die Tat umzusetzen seien und wie der Verein nach innen organisiert sein sollte. Dazu muss man sagen, dass keiner von uns einen Plan hatte, wie man einen Verein leitet. Und noch bevor wir diese Probleme beheben konnten, ging schon der Stress mit Baugenehmigungen, Treffen mit Architekten, Treffen mit dem Eigentümer der Margarinefabrik und der gleichen los. Der Berg an Arbeit wuchs und anderes blieb liegen. So passierte es, dass die Ausrichtung des Vereins auf der Strecke blieb und somit nicht klar war, wie es mit dem Verein weiterlaufen würde, sei es, wenn das Zentrum steht, sei es das Ziel wird nicht erreicht. Und dann war plötzlich Dezember und alles kam völlig anders, als wir es erwartet hatten.

Wir mussten feststellen, dass wir dem Projekt viel zu wenig Zeit gelassen hatten und nach innen haben wir es versäumt, allen Einflüssen und Ideen, den nötigen Raum zur Entfaltung zu geben. So verloren wir über die Zeit auch den ein oder anderen Mitstreiter. Das nehme ich als Vorstand auf meine Kappe. Denn ich habe zu spät realisiert, dass eben die Diversität nicht unsere Schwäche, sondern eigentlich unsere Stärke ist. Und ich versuchte weiter eine gemeinsame Identität zu stiften, die aber eben nicht organisch gewachsen war, sondern fast ausschließlich auf meiner Vermutung beruhte, was ein uns Gemeinsames wäre. Allerdings war der kleinste gemeinsamer Nenner wohl lediglich die kulturelle Arbeit. Ohne gemeinsamen Inhalt. In Nuancen unterschieden sich die Ansichten der Vereinsmitglieder, was auch des Öfteren zu langen Diskussionen führte. Was kräftezehrend war. Anders gesagt: wir waren nicht der Freundeskreis der ohnehin schon seit langem gemeinsam arbeitet, sondern viele kleine Kreise, die versuchten gemeinsam Raum für ihre Arbeit zu erstreiten. Und das hatte ich eben nicht früh genug erkannt.

In Kleve gibt es so gut wie keine Subkultur, die so stark ist, dass sie aus eigenen Kräften den nötigen Raum für sich erkämpfen könnte. Es gibt einen bunten Haufen von Künstlern und Kulturschaffenden, die hier und da Berührungspunkte haben. Und allen gemeinsam ist, dass Geld fehlt um die Arbeit auszubauen. Die eine Szene ist größer, die andere kleiner. Von manchen hört man was, andere bleiben im Verborgenen. Und hier sehen wir als Kollektiv der leere raum nun unsere Zukunft.

Was der Verein von sich aus seit Anbeginn der eigenen Existenz hervorbringt, sind die Theaterstücke der hauseigenen Gruppe und die liquid-Partys. Hinzugekommen ist die Kooperation mit dem Radhaus in Form der 120-Minutenpartys. Das wird auch so bleiben. Was sich allerdings nun ändert ist die Organisationsstruktur. Bisher wurde letzten Endes, bis auf ein Paar Ausnahmen, alles vom gesamten Kollektiv entschieden und durchgeführt. Stets brauchte es immer die Zustimmung aller bevor ein Projekt in die Wege geleitet wurde. Diese Praxis verlangt allerdings die oben Erwähnte gemeinsame Identität, die wie beschrieben einfach nicht gegeben ist. Wir haben keinen einheitlichen Stil.

Von jetzt an, soll es wie folgt weitergehen. Nehmen wir als Beispiel das Noisegathering. Hysterial Turkey hatten die Idee, ein Minifestival zu veranstalten und Künstler aus dem Ruhrgebiet einzuladen. Allerdings fehlte es an Geld, Versicherung und helfenden Händen. Da die Mitglieder dieser Band ebenfalls Mitglieder des Kollektivs der leere raum sind, lag es nah, dieses miteinzubeziehen, um den organisatorischen Unterbau zu gewährleisten. Das Kollektiv willigte ein, Kooperationspartner zu werden. Und so soll nun auch mit anderen Projekten verfahren werden. Nach wie vor entscheidet zwar der Vorstand, ob ein Projekt unterstützt wird, allerdings sollen die Ideen von denjenigen kommen, die das jeweilige Projekt auch durchführen. Inhalt, Stil, Rahmenbedingungen, Ziele – all das liegt in der Hand der Kulturschaffenden selbst. Das Kollektiv der leere raum ist nun ein Dachverein, unter dem sich die Kulturschaffenden der jeweiligen Szene versammeln. Nach dem Motto: Im leeren raum ist alles möglich. Allerdings sei betont, dass es immernoch Grenzen gibt: Homophobie, Xenophobie, Antisemitismus – bleiben draußen. Wer sich darüber hinwegsetzt, ist hier nicht weiter willkommen. Auch wer dem leeren raum irgendwie schadet, sollte besser andere Wege ergründen. Unter dieser Voraussetzung ist erstmal alles erlaubt. Von Gabbergeschredder bis Elekrtoswing, Classic Rock bis Noise, postdramatische Performance bis klassisches Drama. Ganz egal. Wobei auch immer gilt: Platz für Neues, Platz für das, was bisher keinen Platz hatte. Der Verein, sein Vorstand und die Mitglieder, unterstützen eure Projekte wo es eben geht. Und wer Fragen hat, noch nie eine Veranstaltung oder Projekt umgesetzt hat, kann sich jederzeit an uns wenden.

Wir hoffen so, unser Ziel – die Schaffung von Freiraum für Kunst und Kultur in Kleve – nun besser zu erreichen. Von nun an setzt der Verein auf Eigeninitiative der Mitglieder oder Sympathisanten. So soll die Diversität eben zur Stärke werden.

Es sei noch erwähnt, dass der Plan ein Soziokulturelles Zentrum zu errichten, nicht ganz versandet ist. Es ergab sich, dass wir ein neues Angebot erhalten haben und in den nächsten fünf Jahren, Schritt für Schritt uns einem Solchen annähern. Dafür suchen wir noch Menschen, die Bock haben uns auf diesem Wege zu begleiten.

Wenn Ihr also Lust habt euch mit eurem Projekt oder bzgl. des Zentrums in den leeren raum einzubringen, dann schreibt uns einfach auf Facebook, oder eine Mail.